Von der Sublimation der Vegetabilien

(Pierre Jean Fabre, >Palladium Spagyricum<, Cap. 19, 1632)

 

Alle Dinge können sublimiert werden, weil sie das Reine in sich enthalten. Denn dieses kann, wenn es attenuiret und von allen Hefen gereiniget worden, in die Höhe durch die Gewalt des Feuers in einem dazu bequemen Gefäß erhoben werden und solches geschieht durch Hilfe der flüchtigen Feuchtigkeit des Mercurii, von welcher alle Vegetabilia eine große Quantität in dem fetten, feurigen und inflammablen Humido besitzen. Denn sie nehmen dasselbe aus der allgemeinen Speisekammer aller lebendigen Dinge, welche ist die Erde.

 

Dieses ist die Ursach, daß in allen Steinen, Vegetabilien und Mineralien der sowohl fixe als flüchtige Geist der Elementen sich häufiger befindet, als in denen Animalien oder Tieren, weil die Animalien von andern Dingen leben und dieses Nectar-Getränk des Lebens nicht unmittelbar aus seiner Wurzel, wie alle anderen Dinge, her nehmen.

Ist derohalben dieses flüchtige und sehr von allen feuchten und wäßrigen Excrementen höchstgereinigte Humidum die vornehmste Ursach der Sublimation. Denn was fix und bleibend in denen Vegetabilien und allen übrigen elementarischen Dingen ist, kann nicht flüchtig werden, wofern es nicht in die Substanz des andern verkehret wird. Dieses kann aber nicht geschehen, es sei denn, daß das Flüchtige in das Fixe agiere und dasselbe durch eine überwindende Action in sich selbst verkehrt, wie denn solches allen Agentibus durch einen natürlichen Antrieb angeboren ist.

Man findet eine gewisse Entwerfung der nötigen Sublimation in der Natur. Denn die Blumen aller Bäume und Pflanzen, wenn sie vor dem Fruchtbringen blühen, attestieren nichts anders, als eine Dicke des allersubtilsten Teils der Elementen, welche endlich durch eine continuierliche und stetige Kochung, durch ihr eigenes sehr gelindes Feuer, in süße und reife Früchte, wie durch eine Sublimation vervollkommnet wird. Dieses müssen alle Schüler der Spagyrischen Kunst als ein Wunderwerk der Natur ansehen und wohl erwägen.